Dienstag, 11. Juli 2017

So many books, so little time (Zappa) oder Zeitmangel im Hause Bücherwurm

Ich lese gern, immer schon. Ich verschlinge Bücher wie andere Leute das Fernsehprogramm, immer schon. Die berühmt berüchtigte Leseflaute, von der so viele reden, die hat sich mir noch nicht persönlich vorgestellt. Ich kann immer lesen und wenn ein Buch mal nicht so gut ist, dann stürzt mich dieses nicht in Verzweiflung, sondern treibt mich eben hin zu anderen bedruckten Seiten.
Ich brauche morgens nach dem Aufstehen meine 1-2 Tassen Kaffee und ein Buch. Meine Tochter und auch alle anderen Menschen in meiner Umgebung wissen, in der Zeit sollten sie mich nach Möglichkeit nicht stören, denn das ist der einzige Moment, wo ich wirklich unleidlich werden kann. Das möchte niemand.
Diese Minuten in meinem Leben verteidige ich mit allem was ich habe :-)



Doch dann kommen auch immer wieder Zeiten, wo ich leider wirklich nur an diesen kostbaren Morgenstunden festhalten kann und mir sämtliche restliche Zeit über den Tag genommen wird.
Die Arbeit ruft und wenn es schlecht läuft, die eine oder andere Überstunde, Termine sind wahrzunehmen, nicht nur meine, sondern auch die von meiner Tochter, sie möchte bekocht werden, braucht Unterstützung bei Schularbeiten und meine Pferde und der Hund rufen nach Bespaßung.
Es wird geputzt und gewischt, gelaufen..........und schon ist es 22 Uhr und das Bett ruft.
Endlich Zeit zum Lesen!!! Heute morgen musste ich an einer wirklich spannenden Stelle abbrechen und habe diesen kostbaren Abendstunden förmlich entgegengefiebert.
Und was passiert, kaum bin ich gewaschen und die Zähne geputzt, der Hund und die Katzen haben sich eingekuschelt: ich sitze gemütlich in meinem Bett und greife nach den Seiten die die Welt bedeuten.......da fallen mir doch tatsächlich ständig die Augen zu :-( Dabei ist es doch wirklich spannend! Aber nein, mein Körper fordert seinen Tribut und möchte nun nach einem anstrengenden Tag ausruhen. Lesen ist da nicht. Und leider weiß ich, dass auch der nächste Tag wie der heutige werden wird :-(

Kennt ihr das auch?

In den Momenten habe ich schon so oft versucht meine Lesezeit zu packen und die kleinsten Minuten des Tages zu genießen, aber es gibt sie meist einfach nicht. Sie lassen sich nicht abzwacken, da kann ich machen was ich will. Und garantiert springt an solchen Tagen auch die Ampel des Bahnübergangs, an dem ich normalerweise gefühlt 10 Minuten warten muss, nach 10 Sekunden um. Murphys Gesetz nennt sich das glaube ich, da brauche ich mein Buch gar nicht umständlich auspacken, es lohnt nicht.
Das sind die Momente, Tage, Wochen, die mich als Bücherfresserin so richtig frustrieren. Ich habe mir so viele tolle Bücher gekauft und kann sie einfach nicht lesen. Monat für Monat erscheinen neue Bücher meiner Lieblingsautoren, gäbe es spannende neue Autoren zu entdecken, aber ein Kauf lohnt sich nicht, weil der Stapel neben mir immer weiter anwächst. Zwar geht kaufen immer und was ich habe, das habe ich, unbefriedigend ist es dennoch, denn ich möchte meine Schätze ja auch gerne verschlingen.

Der Moment wo ich das lesen abbrechen muss weil die Uhr unerbittlich ist - natürlich gerade an der spannendsten Stelle - wie sollte es auch anders sein? Ich möchte doch so dringend wissen wie es weitergeht! Möchte die Protagonisten nicht verlassen, im schlimmsten Fall für einige Tage!

Nein, wir Büchersüchtigen haben es im Alltag eines Erwachsenen manchmal wirklich nicht leicht. Und dann wünsche ich mir zurück wieder Kind zu sein. Lange Wochenenden im Bett, abends noch mit der Taschenlampe unter der Decke, kaum von der Schule zurück und schon für die restlichen Stunden hinter dem Buch. Das Wissen, auf Mama ist schon Verlass, ich werde bekocht und sie wäscht und putzt für mich. Ich dagegen kann lesen und sie freut sich auch noch, dass ihre Tochter so ein Bücherwurm ist. Ständig werde ich zur Bücherei gebracht oder bekomme neue Bücher vom Einkaufen mitgebracht. Viel Geld hatten wir in den 70er und 80er Jahren nicht, aber meine Lesesucht hat meine Mutter immer gefördert so gut es ging. Und zusätzlich habe ich unsere alte Bibliothekarin genervt, die nicht so oft Lesenachschub heranschaffen konnte wie ich diesen brauchte. Dann wurden die Geschichten eben 3-10 x gelesen, egal :-)
Heute undenkbar. Heute bin ich die Mutter und koche, putze und wasche und versuche meine Tochter zum lesen zu animieren, was leider viel zu selten klappt :-( Ihr ist unsere Bibliothek im Wohnzimmer peinlich, aber das ist ein anderes Thema :-)



Und so versuche ich weiterhin jede freie Minute mit meinem Buch zu verbringen und freue mich auf die Tage, wo ich wieder einige Stunden im Zug oder der S-Bahn verbringen darf. Nur, damit ich ein wenig mehr lesen kann.

Wie geht ihr denn damit um wenn ihr lesen wollt, aber nicht könnt weil das Zeitfenster es nicht zulässt?

Gespannt auf Eure Meinungen fahre ich jetzt den PC herunter und verschanze mich doch noch ein paar Minuten hinter meinem Buch. Heute werden mir die Augen hoffentlich nicht zufallen!

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